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Ein von Herzen ehrlicher Jahres Rückblick




Ich könnte, wie gefühlt gerade jeder auf Instagram teilt, darüber berichten, wie Toll das Jahr war. Aber die Realität ist, es war ein hartes Jahr für mich. Nicht die ganze Zeit. Die ersten Monate waren sehr schön. Wir sind durch die USA gereist und hatten gegen Ende unserer Zeit dort auch Besuch von unseren Freunden. Wir hatten eine tolle Zeit und entschieden uns spontan, nicht wie geplant nach Kanada zum Work and Travel zu gehen, sondern nach Hause zu fliegen.


Am Anfang haben wir die Zeit sehr genossen, aber im Laufe des Sommers schlich sich das Gefühl ein, dass ich mich nicht richtig entschieden hatte. Ich fühlte mich von Woche zu Woche verlorener. Ich habe verzweifelt versucht, nach allen Strohhalmen zu greifen, Dinge auszuprobieren und mich von einer Sache in die nächste zu stürzen, um mich hier in Deutschland irgendwie zuhause zu fühlen. Dem Ganzen einen Sinn zu geben, dass es die richtige Entscheidung war. Ich habe versucht, neben meinem Hauptjob in der Schule, nebenbei noch weiter an meiner Selbständigkeit zu arbeiten, den Camper auszubauen, zwischendrin Zeit mit Freunden zu verbringen und ein Wochenendtrip nach Holland zu machen. Das alles nur, um mich irgendwie wieder ich selbst zu fühlen und einen Weg zu finden, hier glücklich zu werden. Stattdessen habe ich mich komplett übernommen, habe dauerhaft Druck in der Brust gespürt, war gestresst, angespannt, traurig und überfordert. Dazu sind Illusionen geplatzt, Hoffnungen wurden nicht wahr, und ich fühle mich immer noch so unfassbar verloren.


Es ist so schlimm geworden, dass wieder Symptome meiner vergangenen Angststörung hochkamen, meine Gedanken wurden immer düsterer, und ich hatte richtig Angst, mich wieder so zu verlieren wie nach dem Tod meines Vaters 2019. Und Jahre würden brauchen, um wieder ich selbst zu sein. Zeitweise war es so schlimm, dass ich mich nicht einmal mehr mit unseren Freunden treffen konnte, ohne dauerhaft angespannt zu sein. Ich war verzweifelt. Schnell erkannte ich aber diese alten Muster und fing wieder an zur Therapie zu gehen. Diagnose: Anpassungsstörung. Also nicht einfach nur eine kleine Posttravel Depression.


Durch die Therapie kommen noch so viel mehr Fragen auf, in meinem Kopf ist immer noch ein wirres Chaos aber es entsteht auch immer mehr Klarheit. Ich merke wie ich immer mehr loslassen kann und auch die Symptome weniger werden und es geht seit ein paar Wochen auch wieder Bergauf. Aber ich selbst bin immer noch nicht die, die ich mal war. Nur wenn ich übers Reisen, Fotografieren und über all die Abenteuer, die wir erlebt haben, rede, dann kommt die alte Anna zurück mit voller Kraft. Ich spüre dann, wie mich eine ganze Welle an Energien erfasst, die mich lebendig fühlen lassen. Auch meine Therapeutin bemerkt das in jeder Sitzung und sagt mir, dass ich richtig anfange dabei aufzublühen und aus allen Poren zu strahlen. Sie hat es irgendwann auch ziemlich gut auf den Punkt gebracht und gesagt: "Frau Schierz, in Wahrheit wissen Sie doch schon längst, was Sie erfüllt und glücklich macht, und das ist definitiv nicht Ihr Job hier in Deutschland." Sie hat mir dazu die Frage gestellt: “Wenn es keine äußeren Bedingungen geben würde, wofür würden Sie sich entscheiden?”


Und noch bevor sie die Frage zu Ende gesprochen hat, ploppte Kanada auf. Sie grinste, weil sie wusste, dass ich das antworten würde. Dennoch habe ich Angst, wieder eine falsche Entscheidung zu treffen, wieder alles über den Haufen zu werfen und loszuziehen. Zu merken, dass es wieder nicht das Richtige ist. Schließlich freue ich mich auch darüber, jetzt wieder Freunde und Familie in der Nähe zu haben. Doch lodert in mir immer noch die kleine Flamme, in mir das Work and Holiday in Kanada auszuprobieren. Dieses Mal richtig.


Aber gleichzeitig stelle ich mir immer die Frage, ob es wirklich das Richtige für mich ist. Nachher ist es doch nicht so, wie vorgestellt. Aber es lässt mich einfach nicht in Ruhe, diese Erfahrung mal zu machen und diesem Ruf in mir zu folgen.

Denn in mir ruft alles nach dem nächsten Abenteuer, einem Leben außerhalb der Komfortzone und wieder mehr mit der Natur verbunden zu sein. Aber gleichzeitig weis ich auch dass das bedeuten würde, wieder Freunde uns Familie für gewisse Zeit wieder hinter sich zu lassen. Und das macht die Entscheidung noch schwerer. Ich will beides nicht in meinem Lebens missen. Ich vermisse immer das eine oder das andere. Es ist wie Tauziehen zwischen meinem Kopf und Herzen. Und ich fühle mich im wahrsten Sinne des Wortes hin und her gerissen. 


Hinzukommt, dass Dominik und ich uns irgendwie in verschiedenen Phasen befinden. Wir haben schon das gleiche Ziel und aber befinden uns gefühlt auf verschiedenen Kontinenten.

Dominik ist vollkommen hier angekommen, fühlt sich wohl und ist zufrieden und will gar nicht so schnell wieder weg.

Ich aber bin irgendwo zwischen Kalifornien und Kanada verloren gegangen. Als wäre nur eine leere Hülle von mir hier und mein Inneres in Nordamerika.


Dominik möchte hier erstmal in Deutschland bleiben, arbeiten und Geld verdienen. Und klar auch wieder verreisen. Ich aber wäre lieber weiterhin komplett broke irgendwo in der Wildnis unterwegs. Ich mag dieses “unsichere” Leben. Von dem Tag in den nächsten Tag zu leben, ohne zu wissen, wie die nächste Woche aussieht. Dabei fühle ich mich lebendig, ich lebe viel mehr im Moment und genieße die schlechten wie auch die guten Tage. Ein sicherer Job in dem gewohnten Umfeld killt irgendwie genau diese Gefühle und auch meine Kreativität.


Aber irgendwie ist es dann in den letzten 8 Monaten passiert, dass ich wieder ein Leben führe, das ich eigentlich nie wieder führen wollte.


Der Plan war eigentlich nur, in meinem gelernten Job wieder zu arbeiten, um ein festes Einkommen zu haben. Damit ich nebenbei meine Selbstständigkeit so vorantreibe, dass ich bis nächsten Sommer davon komplett leben kann und dadurch auch reisen. Flexibler bin und auch mein eigener Boss. Aber ehrlich gesagt zieht der Job mir auch so viel meiner Energien ab, dass nicht mehr viel für mich und meine Selbstständigkeit übrig bleibt. Also genau das, was ich nie wollte. Und in den letzten 6 Monaten habe ich so wenig an der Selbstständigkeit gearbeitet wie noch nie. Und das frustriert zusätzlich. Es fühlt sich alles eher nach Rückschritt an als Fortschritt. Das möchte ich unbedingt wieder ändern, für mich und unsere Träume.


Ich habe jetzt wirklich ziemlich weit ausgeholt, aber ich erzähle euch das, damit ihr versteht, dass nach Hause kommen nicht immer leicht ist, gerade nach so einer langen Reise. So eine Reise und das Nachhause kommen wirbelt ziemlich viel auf in einem, was zuvor unter der Oberfläche geschlummert hat. Das führt häufig zu Konflikten, mit sich selbst oder anderen. Man weiß plötzlich nicht mehr, wo der eigene Platz im Leben ist und was man eigentlich wirklich vom Herzen möchte.


Auch, weil es auf Insta bei vielen so aussieht, dass sie ein super glückliches Leben führen und die Schatten Seiten abseits der Highlights häufig nicht gezeigt werden. Aber nur weil ein Leben nach außen immer so toll aussieht, heißt es nicht, dass es immer so ist. Nur weil jemand, lächelt oder lacht, heißt das nicht das es in ihm ganz anders aussehen kann.

Unser Leben, mein Leben, oder das von anderen wirkt vielleicht oft als wäre alles super und man/ wir haben dauerhaft die Zeit unseres Lebens ( die wir auch hatten auf unserer Reise). Aber so ist/war es nicht immer. Ich möchte mich hier nicht verstellen und authentisch sein. Und dazu gehören auch die nicht so guten Zeiten.


Ich hoffe, ich habe euch damit jetzt nicht verschreckt und ihr rennt in Scharen davon. Aber dann ist das so.


Und es wird wieder aufwärts gehen, da bin ich zu 100% sicher. Diese Phasen gehören zum Leben dazu, damit man Stück für Stück mehr zu sich selbst findet. Auch ist nichts für immer, man verändert sich, Träume verändern sich. Denn das Leben ist ein ständiger Wandel. Es liegt an uns, ob wir gegen die Wellen des Lebens ankämpfen oder sie surfen. Ich habe jedenfalls keine Lust mehr, gegen die Wellen (Situation, Ängste) anzukämpfen, das kostet mich nur Energie und am Ende mich selbst. Ich schaue ab jetzt nach vorne, versuche nach Lösungen Ausschau zu halten und will lernen, mit den Wellen mitzugehen. Mal schauen, wo sie mich/uns als nächstes hintreiben. Ob Kanada, USA, Schweiz, Deutschland oder doch wo ganz anders. Wir werden es früher oder später erfahren.

Nur wenn wir nach vorne gehen und neue dinge Ausprobieren, finde wir heraus was wir wirklich wollen oder zumindest würde ich dem ganzen ein Stückchen näher kommen. Bis dahin versuche ich, die Wellen zu genießen.


So, jetzt genug über mich geredet. 😅 Wie war euer Jahr? Habt ihr Momente gehabt, die euch durch und durch glücklich gemacht haben, oder gab es Momente, wo ihr euch auch traurig, verzweifelt gefühlt habt? Ihr könnt auch wirklich vom Herzen ehrlich sein! ☺️


Eure Anna <3


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